Disruptiver Change: Wenn Veränderung keinen Konsens braucht
Manchmal habe ich das Gefühl, dass Veränderung ein Konzept ist, das wir nur dann akzeptieren, wenn es uns in kleinen, gut verdaulichen Dosen serviert wird. Schritt für Schritt, mit Meetings, Workshops und sanfter Kommunikation. Doch die Realität hält sich nicht an unsere Change-Management-Handbücher.
Mir scheint, dass Wandel inzwischen eine ganz andere Dynamik hat – eine, die nicht fragt, ob wir bereit sind. Er passiert. Plötzlich. Mit Wucht. Unternehmen, Branchen und ganze Gesellschaften stehen vor Umbrüchen, die nicht mehr das Ergebnis eines geplanten Prozesses sind, sondern das Produkt von Druck, Krisen und unvorhersehbaren Entwicklungen.
Seit Januar 2025 erlebe ich diesen Wandel mit neuer Intensität: Politische Entscheidungen werden im Eiltempo getroffen, Märkte verändern sich über Nacht, Technologien kippen alte Geschäftsmodelle. Die Vorstellung, dass Veränderung langsam und konsensorientiert abläuft, scheint zunehmend naiv. Stattdessen sehen wir immer mehr disruptiven Change – Wandel, der nicht wartet, ob alle einverstanden sind.
Aber ist das denn immer schlecht? Bedeutet Disruption zwangsläufig Chaos, oder kann darin auch eine Chance für echte Innovation stecken?
Disruption als Treiber echter Veränderung
Vielleicht müssen Sie als Unternehmen im 2025 auch disruptiv unterwegs sein. Sie müssen auf Tempo statt Konsens setzen, ihre Unternehmensentscheidungen treffen auf unerwartete Widerstände oder alte Strukturen werden abrupt infrage gestellt. Wie wir aktuell in Wirtschaft, Gesetzgebung oder geopolitischen Entwicklungen beobachten: Der Wandel passiert nicht mehr schrittweise, sondern in Sprüngen. Traditionelle Mechanismen der Mitbestimmung und Stabilität stehen unter Druck.
Sie wollen und müssen sich verändern. Change ist aber kein kontrollierter Prozess mehr, sondern zunehmend eine Reaktion auf disruptive Kräfte von außen. Meine Frage ist hier: Muss richtige und wesentliche Veränderungen disruptiv verlaufen, um Wirkung zu entfalten? Und daran anschliessend: Kann so ein erzwungener Wandel auch eine positive Seite haben?
Unternehmen und die Notwendigkeit disruptiven Wandels
- Disruptiver Change zwingt Unternehmen dazu, sich anzupassen – nicht weil sie es wollen, sondern weil sie es müssen. Beispiele dafür gibt es viele:
- Die Digitalisierung zwang traditionelle Industrien zur Transformation, oft unter massivem Druck durch Tech-Start-ups.
- Die Pandemie beschleunigte den Wandel zur Remote-Arbeit, obwohl Unternehmen jahrelang Argumente dagegen fanden.
Künstliche Intelligenz verändert aktuell ganze Berufsfelder – nicht langsam, sondern mit Wucht.
Disruption ist unbequem, aber sie sorgt für Effizienz, Fortschritt und Innovation. Unternehmen, die versuchen, sich gegen disruptiven Wandel zu stemmen, verschwinden oft schneller vom Markt als diejenigen, die ihn annehmen und nutzen.
Kann disruptiver Change auch positiv sein?
Disruption wird oft als Bedrohung wahrgenommen – doch sie kann auch Chancen schaffen. Neue Geschäftsmodelle, effizientere Prozesse und eine frische Denkweise entstehen oft erst, wenn das Alte nicht mehr funktioniert. Wer Change nur als sanfte Transformation betrachtet, verpasst möglicherweise die Dynamik, die wirkliche Innovation bringt.
Die Herausforderung für Unternehmen und Führungskräfte besteht darin, einen Mittelweg zu finden: Change-Prozesse so zu gestalten, dass sie nicht durch endlose Abstimmungsschleifen blockiert werden – und gleichzeitig den disruptiven Druck zu nutzen, um echte Veränderung zu ermöglichen.
Fazit: Disruptiver Change als Realität – aber nicht als neues Ideal
Im Unternehmenskontext wird Veränderung oft als evolutionärer Prozess verstanden – mit Change-Workshops, Change-Agents und langen Kommunikationsstrategien. Doch die Praxis zeigt: Viele Veränderungsprozesse scheitern an Widerständen, Bürokratie oder schlicht der Bequemlichkeit des Status quo.
Change braucht manchmal Disruption, um wirklich stattzufinden – aber das bedeutet nicht, dass disruptiver Wandel immer der bessere Weg ist. Er kann Innovationen hervorbringen, alte Strukturen aufbrechen und uns zwingen, schneller zu handeln. Doch er hinterlässt auch Chaos, Widerstände und Verluste.
Change ist kein Selbstzweck.
Vielleicht liegt die wahre Herausforderung nicht darin, Disruption als neue Normalität zu akzeptieren, sondern darin, Veränderung so zu gestalten, dass sie weder in lähmender Behäbigkeit noch in blinder Radikalität versandet. Wir als Unternehmen und Führungskräfte sollten nicht darauf warten, bis uns der Markt zum Handeln zwingt. Bringen wir uns doch selbst aktiv in eine Position bringen, in der wir Wandel gestalten können – bevor er uns überrollt. Nicht fatalistisch nach dem Motto: «s’chunnt wies s’chunnt» sondern mutig eintauchen, die Chancen nutzen und aktiv mitgestalten!